Der spektakuläre Trailer für WWE 2K19
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München - Ember Moon spricht über ihren langen Kampf gegen die Vorurteile von WWE - und das Erfolgsgeheimnis von Undertaker und Co. Hier das exklusive Interview.

Sie marschiert ein wie eine Marvel-Heldin, mit Werwolf-Aura und bunten Kontaktlinsen.

Sie fertigt ihre Gegnerinnen ab mit dem von "Stone Cold" Steve Austin berühmt gemachten Stunner - in einer weit spektakuläreren Variante, nach einem waghalsigen Sprung vom Seil.

Ember Moon gehört zu den spannendsten weiblichen Stars bei WWE, umjubelter Champion der Entwicklungsliga NXT, seit April 2018 aufstrebender Publikumsliebling bei der Hauptshow Monday Night RAW - im diese Woche veröffentlichten WWE 2K19 ist der bekennende Fantasy-Nerd auch als Videospiel-Charakter wieder dabei.

Die 30 Jahre alte Texanerin (bürgerlich: Adrienne Reese) musste sich ihre WWE-Karriere hart erkämpfen. Dreimal war sie von der Liga abgelehnt worden, unter anderem mit der Begründung, sie sähe nicht gut genug aus.

Im exklusiven SPORT1-Interview erzählt die "War Goddess" ihre Geschichte.

SPORT1: Ember Moon, Wie zufrieden sind Sie mit dem aktuellen Verlauf Ihrer WWE-Karriere?

Moon: Es gibt noch vieles, was ich dort erreichen möchte. Ich habe mich bei NXT von unten nach oben gekämpft und habe mir dort den Champion-Titel verdient, das möchte ich nun auch bei RAW schaffen.

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SPORT1: Aktueller Damenchampion bei RAW ist die frühere UFC-Queen Ronda Rousey, der größte weibliche Star, den WWE je in ihren Reihen hatte. Macht es das schwerer, dieses Ziel zu erreichen?

Moon: Ronda ist eine absolut fantastische Person, aber im Moment nicht mein Thema. Ich muss mich erstmal darauf konzentrieren, weiter so hart an mir und meinem Charakter zu arbeiten, dass ich irgendwann bereit bin für ein Match mit ihr, sollte ich je die Chance bekommen.

SPORT1: Welche Wrestling-Stars haben Sie inspiriert und geprägt?

Moon: Viele. Trainiert habe ich bei der verstorbenen texanischen Legende Skandor Akbar, bei den früheren WWE-Wrestlern Booker T, Rodney Mack und Vance Archer, auch ein bisschen bei Monty Brown. Als Fan habe ich die D-Generation X bewundert, Natalya, Beth Phoenix. Ich war angezogen von Persönlichkeiten, die "larger than life" waren. Aber im Grunde hat mich die ganze Wrestling-Welt fasziniert und inspiriert. Das half mir als Jugendliche durch schwierige Zeiten.

SPORT1: Sie haben schon öffentlich gemacht, dass Sie als Jugendliche Mobbing-Erfahrungen gemacht haben. Wie hilft die ferne und geskriptete Wrestling-Welt dagegen?

Moon: Es ist nach einem harten Tag in der Schule inspirierend, nach Hause zu kommen, die Tür hinter sich zu schließen und im TV Charaktere zu verfolgen, die sich behaupten - auch wenn es nur Geschichten sind. Wenn ich von anderen Leuten gehört habe, ich sei nicht schön genug, habe ich mich wiedergefunden in Mickie James, die in der WWE-Welt den Spott über ihr angebliches Übergewicht gehört hat, sich gewehrt hat und ihren Weg gegangen ist. Und als ich gehört habe, ich sei zu klein mit meinen 1,57 Metern, habe ich mich wiedergefunden im kleinen The Hurricane, der es geschafft hat, dem großen The Rock einen Chokeslam zu verpassen - das war Wahnsinn. WWE hat mir als Fan die Botschaft vermittelt, dass ich alles sein kann, alles schaffen kann, was ich will - und hier bin ich jetzt (lacht). Der Einfluss von WWE auf meine Persönlichkeitsentwicklung war irrsinnig groß.

SPORT1: Sie selbst wurden nach eigenen Angaben dreimal von WWE abgelehnt, unter anderem wegen Ihres Aussehens. Was war da los?

Moon: Jeder Wrestling-Fan weiß, dass die Zeiten früher anders waren, WWE bei weiblichen Stars etwas anderes gesucht hatte. Ich entsprach diesem Profil nicht, ich war keine "Diva". Ich war erst 18 Jahre alt und bekam gesagt: Du wirst nie eine WWE-Diva. Umso schöner, dass WWE sich seitdem verändert hat, dass es jetzt auch bei den Frauen darum geht, ein Superstar zu sein und keine Diva ...

SPORT1: Dass mehr Wert auf das Talent gelegt wird als aufs Aussehen.

Moon: ... und diesen Anspruch erfüllt zu haben, macht mich letztlich auch viel stolzer. Im Nachhinein bin ich ehrlich gesagt sogar froh über die Ablehnungen. Sie haben meinen Ehrgeiz angestachelt, um meinen Traum zu kämpfen, mir den Anstoß gegeben, so hart an mir zu arbeiten, dass sie nicht mehr an mir vorbei kommen. Und das ist wirklich harte Arbeit, denn es gibt so viele, die das Ziel haben, WWE-Star zu werden und nur wenige können es schaffen. Es war ein langer, harter Weg, ich könnte Ihnen acht Stunden davon erzählen und Sie ein Buch drüber schreiben lassen. Ich möchte auf jeden Fall aber nichts davon missen.

SPORT1: Der legendäre Undertaker hat kürzlich ein sehr interessantes Interview gegeben - und darin betont, dass bei WWE weniger mehr sei. Nicht die spektakulären Aktionen seien der Schlüssel zum Erfolg, sondern das Verständnis des eigenen Charakters und die Fähigkeit, Emotionen zu wecken. Stimmen Sie da zu?

Moon: Hundertprozentig! Man muss sich nur mal kurz überlegen, wer die beliebtesten Wrestler aller Zeiten sind: Was hat The Rock ausgemacht, was Stone Cold Steve Austin, was Hulk Hogan? Ihr Charakter, ihre Fähigkeit, die Zuschauer auf eine emotionale Achterbahn zu schicken. Oder schauen Sie sich Daniel Bryan an: ein Ausnahmetalent im Ring, aber der Schlüssel zu seinem Erfolg war, dass er es geschafft hat, die Leute mit seiner Geschichte zu packen, sie bei seinem Aufstieg vom kleinen Underdog zum Champion mitfiebern zu lassen. Ich kann mich in meinen Matches verrenken wie ich will, durch die Luft segeln, Saltos schlagen: Das alles ist nichts wert, wenn das Publikum sich nicht für meinen Charakter interessiert, wenn es ihm egal ist, warum ich das tue, was die Story dahinter ist. Das rüberzubringen, im Ring eine Geschichte zu erzählen: Das ist die eigentliche Kunst beim Wrestling.

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