Last-Minute-Pleite! Real Madrid wie Bayern in der Krise
teilenE-MailKommentare

München - Gareth Bale sorgt für Verwunderung in Madrid. Der Real-Star ist im Klub nicht richtig fit, reist aber zur Nationalmannschaft. Reizfigur bei Real ist er seit jeher.

Eigentlich ist die Situation ja wie gemacht für Gareth Bale in dieser Saison. Jetzt da Cristiano Ronaldo nicht mehr da ist. 

Bei Real Madrid war er die vergangenen Jahre immer ein wenig der Schattenmann des Weltfußballers. Wann immer die Königlichen Trophäen gewonnen haben, wurden die in erster Linie an Ronaldos Leistungen und Toren festgemacht. 

Ein einziges Mal, Ende Mai, im Endspiel der Champions League, war Bale kurz davor, das Machtgefüge zu sprengen. Mit seinen beiden Treffern gegen den FC Liverpool war er der Hauptverantwortliche für den Titel.

Und doch sprach nach dem Triumph wieder alle Welt über CR7 und seine Wechselpläne.

Ronaldos Abgang eine Erlösung für Bale

Aus Sicht von Bale muss es beinahe eine Erlösung gewesen sein, als sich Ronaldo entschieden hatte, Real tatsächlich zu verlassen.

Der Waliser ist bis heute teuerster Spieler der Klubgeschichte. 101 Millionen Euro gaben die Königlichen damals aus. Mehr als für Ronaldo. Bales Ablöse war zur damaligen Zeit Weltrekord.

Als Ronaldo Real verließ, durfte der Kronprinz nach jahrelangem Ausharren endlich den Thron besteigen.

Etwas mehr als viereinhalb Monate hat dieses Hochgefühl angehalten. Inzwischen läuft Bale Gefahr, zum Problemfall von zu werden. 

Auslöser dafür ist Bales Fitnesszustand und sein bisweilen eigenwilliger Umgang mit seinem Körper. 

Am Montag reiste der Spieler zur Nationalmannschaft, mit der er heute Abend (ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) auf Spanien trifft. Ein Freundschaftsspiel, bei dem Bale unbedingt dabei sein wollte - auch, um sich in der sportlichen Heimat zu präsentieren.

"Bale hat Angst vor Verletzungen"

Der Plan kam bei Real überhaupt nicht gut an. Laut dem Fernsehsender Telemadrid verlieren einige im Klub langsam die Geduld mit Bale. Der hatte sich zuletzt in Ligaspielen mehrfach vorzeitig auswechseln lassen. Wegen ermüdeter Muskeln, wie es heißt. 

Im Derby gegen Atletico blieb Bale zur Pause draußen. In der Champions League bei ZSKA Moskau setzte er ganz aus. Und gegen Alaves zuletzt verließ er das Feld, als es in der Schlussphase ernst wurde. Drei Spiele, von denen Real keines gewann, nicht mal ein Tor schoss. 

Bei Kritikern kommt dieser Tage der Verdacht auf, Bale wolle sich für die großen Auftritte schonen. Die Sportzeitung AS bezieht sich auf Stimmen von Klubärzten, die besagen: "Bale hat Angst vor Verletzungen."

In der Tat ist das mit seinen Blessuren so eine Sache. Seitdem Bale 2013 zu Real wechselte, hatte er bereits 19 Verletzungen. Wer solche Leidenszeiten verbracht hat, lernt seinen Körper kennen. 

Andererseits kommt es einigen in Madrid komisch vor, dass Bale körperlich nicht bei einhundert Prozent ist, wenn Pflichtspiele von Real anstehen, er sich andererseits aber offenbar fit genug fühlt, um für die Nationalmannschaft aufzulaufen. 

Vor dem Länderspiel gegen Spanien habe Real den walisischen Verband darum gebeten, Bale gegen Spanien zu schonen, schreibt El Mundo Deportivo. Trainer Ryan Giggs hat erklärt, diesem Ersuch nachzukommen. "Wir wollen kein Risiko mit ihm eingehen", sagte er am Mittwoch. 

Inwieweit das auch für die Partie gegen Irland in der Nations League kommenden Dienstag gilt, ist noch mal eine andere Frage. 

Bei Real eine Reizfigur

Wie sie bei Real reagieren werden, sollte Bale mit einer Verletzung von der Länderspielreise zurückkehren, kann man sich leicht ausmalen angesichts der gegenwärtigen Stimmungslage. 

Gewisses Reizpotenzial hatte dieser Gareth Bale bei Real ja ohnehin schon immer. Was man eben so mitbringt als Prestigeobjekt des Präsidenten. 

Bales Verpflichtung 2013 hatte Florentino Perez persönlich vorangetrieben. Der Transfer war gleichzeitig ein Dekret für alle Trainer, die seitdem mit ihm arbeiteten.

Carlo Ancelotti empfand für Bale seinerzeit mehr aus Verpflichtung als aus Überzeugung einen Platz in der Stammelf. Als er irgendwann von dem Waliser abrückte, überwarf er sich mit dem Klubboss. Seine Beziehung zu Perez sei danach "nicht mehr die gleiche" gewesen, schreibt Ancelotti in seiner Biografie Quiet Leadership

Nachfolger Rafa Benitez wollte sich mit Perez gut stellen, also machte er Bale zum Spielmacher. Die AS bezeichnete seinen Star seinerzeit als "des Lehrers Liebling". 

Zidane wollte Bale loswerden

Benitez stattete Bale demnach mit so vielen Sonderrechten aus, dass er sich mit dem Rest der Mannschaft überwarf - und schließlich vorzeitig entlassen wurde.

Real und Zidane: Eine epische Erfolgs-Story

Unter Zinedine Zidane hatte Bale dann einen ungleich schwereren Stand. Der Erfolgscoach soll am Ende von Bales körperlich Wehwehchen so sehr genervt gewesen sein, dass er beim Präsidenten angeblich auf dessen Verkauf drängte.

El Pais veröffentlichte dazu dieser Tage eine interessante Anekdote. Demnach soll Perez Zidane zugesagt haben, Bale abzugeben, später jedoch umgeschwenkt sein. Dem Bericht zufolge habe der Wortbruch Zidane zum Rücktritt bewogen. 

Nachfolger Julen Lopetegui wiederum steht nun vor einer neuen Herausforderung. Er muss aufpassen, dass Gareth Bale nicht das Team spaltet, indem er selbst bestimmen darf, wann, wie lange und gegen wen er spielt - und wann nicht. 

So frei war nicht mal Cristiano Ronaldo zu seiner Zeit bei Real. 

Nächste Artikel
previous article imagenext article image